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Achava an der KGS Erfurt

Ein wichtiges Thema, das uns alle angeht, stand am 07.09.17, an der Kooperativen Gesamtschule Erfurt im Mittelpunkt.

Im Rahmen der Achava-Festspiele, die seit 2015 jährlich in Thüringen stattfinden, besuchten Shilan Aldonani und Martin Kranz, der Initiator von Achava, unsere Schule.
Bereits im dritten Jahr nach der Idee, die Festspiele zu veranstalten, sind sie zu einem wichtigen kulturellen Ereignis in Thüringen, aber auch in ganz Deutschland geworden.
So werden jährlich verschiedene Events zu den Themen Toleranz, Akzeptanz und Religion, mit der Unterstützung von regionalen Partnern gestartet.

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Dieses Jahr hatte dabei die KGS das Glück, Teil dieses interessanten und wichtigen Projektes zu sein. Der Ethikkurs der zwölften Klasse und ihre Kursleiterin Frau Jenke sowie Frau Tallai, Mitglied der Schulleitung, konnten sich dabei einen Einblick in das Geschehen im Nordirak und das Thema Flucht verschaffen. Während der Veranstaltung konnten die Schüler und Lehrer der KGS auch Fragen stellen und sich mit den Gästen über verschiedene Themen austauschen.
Ehrengast der Veranstaltung war die kurdische Jesidin Shilan Aldonani.
Das Jesidentum ist eine jahrtausende alte Religion. Jesiden glauben an Gott, aber an keine böse Kraft. Obwohl sich ihr Glaube teilweise sehr stark zu anderen Glaubensrichtungen unterscheidet, sind Jesiden sehr tolerant gegenüber anderen Religionen und haben keine Berührungsängste.
Shilan Aldonani stammt aus dem Nordirak, lebt aber heute in Köln. Sie berichtete unter anderem von ihrer Flucht. Als Shilan acht Jahre alt war, wurde sie sehr plötzlich, aus ihrem Alltag im Irak, in einer kleinen Stadt nahe Mossul, gerissen und trat, gemeinsam mit ihrer engsten Verwandtschaft, den Weg nach Deutschland an. Über eine lange Strecke, die sie meistens zu Fuß zurücklegen mussten, und nach einer fast einwöchigen Schiffsfahrt, kamen sie und ihre Familie in Italien an. Später in Deutschland hatte Shilan lange mit Heimweh zu kämpfen, da sie noch sehr jung war und das Ganze noch nicht so gut nachvollziehen konnte. Sie wurde außerdem jahrelang von ihren Mitschülern ausgegrenzt, und fand erst in der siebten Klasse die ersten richtigen Freunde.
Shilan besucht verschiedene Schulen und klärt die Schüler auch über die schrecklichen Ereignisse im Irak, die im Jahr 2014 geschahen und deren Folgen bis heute andauern, auf. Denn im August 2014 wurde das Hauptsiedlungsgebiet der Jesiden, im Nordirak, nachts vom IS überrannt. Unzählige Familien wurden ermordet und viele Frauen durch den IS versklavt und verkauft. Die Menschen, die noch eine Möglichkeit zur Flucht hatten, konnten nichts mitnehmen. Im Schlafanzug und zu Fuß, versuchten sie sich in das nahegelegene Gebirge zu retten. Dort wurden sie über zehn Tage lang vom IS eingekesselt. Viele sind in dieser Zeit aufgrund der hohen Temperaturen (40°C bis 50°C), Erschöpfung und der mangelnden Verpflegung ums Leben gekommen. Die genaue Zahl der Toten ist noch immer nicht bekannt.
Obwohl dieses grausame Geschehnis durch die Medien weltweite Bekanntheit erlangte, half niemand. Bis heute leben die meisten Jesiden noch im Gebirge, da sie Angst haben, in ihre alten Wohngebiete zurückzukehren. Shilan erwähnte dabei, dass die Häuser und Gebiete zu großen Teilen vom IS vermint wurden.
Um den Menschen im Nordirak zu helfen, ist eine Hilfsorganisation ins Leben gerufen wurden. Diese sammelt Spenden und verteilt z.B. Kleidung und Schulsachen im Nordirak. Nahrungsmittel werden vor Ort gekauft, da es bereits zu Problemen an der türkischen Grenze kam, so dass LKW mit Verpflegung eine Woche lang aufgehalten wurden. Die Spenden werden nicht nur an die Jesiden, sondern an alle, die vom IS-Terror im Nordirak betroffen sind, unabhängig von ihrer Religion, verteilt. Shilan engagiert sich sehr für die Hilfsorganisation und im allgemeinen die Verbesserung der Lebensumstände im Nordirak. Und auch wir müssen uns viel mehr Gedanken machen und vor allem handeln, um Menschen in Not zu helfen.
Der Besuch wird uns noch lange in Erinnerung bleiben und wir bedanken uns noch einmal für die interessante und informative, aber auch bewegende und nachdenklich stimmende Veranstaltung.

Paula Maria Juch, Chefredakteurin „KGS from the blog“, Schülerzeitung KGS Erfurt